Heike Vallery bekommt eine Alexander von Humboldt-Professur für die RWTH Aachen

01.06.2022

Internationale Spitzenforscherin arbeitet an der Schnittstelle zwischen Maschinenbau und Medizin. Mit Robotik unterstützt sie Menschen mit motorischen Einschränkungen.

  Prof. Heike Vallery Urheberrecht: © M. Fritschi

Die 42-jährige Maschinenbauingenieurin Heike Vallery bekommt eine Alexander von Humboldt-Professur und kann damit voraussichtlich zum 1. Januar 2023 an die Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen wechseln. Vallery, derzeit an der TU Delft, ist eine Spitzenforscherin an der Schnittstelle von Maschinenbau und Medizin. Ihre Arbeit zur Robotik zur Unterstützung der menschlichen Bewegung zeichnet sich sowohl durch theoretische Beiträge als auch durch praktische Auswirkungen aus und ebnet den Weg zu einer Medizintechnik, die für alle motorisch eingeschränkten Personen zugänglich ist.


Auf Basis grundlegender theoretischer Analysen hat sie Richtlinien für Roboter entwickelt, die Menschen bei der Bewegung unterstützen. Sie konzipierte die ersten 3D-Robotertherapieumgebungen, die ein Gangtraining ermöglichen und entwarf tragbare Roboter, die das Gleichgewicht verbessern. Ihre Technik kann beispielsweise auch Schlaganfall-Überlebenden helfen, ihr Gleichgewicht zu verbessern. Dabei arbeitet sie eng mit Klinikern und Partnern aus der Industrie an einer technologiegestützten Rehabilitation und auch bei der Entwicklung von Beinprothesen zusammen.


Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert seit 2009 die Alexander von Humboldt-Professuren, die mit bis zu fünf Millionen Euro die höchstdotierten internationalen Forschungspreise Deutschlands sind. Der Kandidat beziehungsweise die Kandidatin muss im Ausland arbeiten und weltweit wissenschaftlich anerkannt sein. Ein interdisziplinärer Ausschuss der Alexander von Humboldt-Stiftung entscheidet über die Vergabe. Ziel ist es, die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsstandortes Deutschlands nachhaltig zu stärken. Vallery wurde von der RWTH Aachen nominiert.


Für Heike Vallery ist es eine Rückkehr an ihre Alma Mater. 2004 hat sie an der RWTH ihr Diplom mit Auszeichnung erhalten. Nach der Promotion an der TU München arbeitete sie von 2008 bis 2011 als Postdoktorandin an der ETH Zürich. Zu dieser Zeit begannen sie und ihr Team mit der Realisierung verschiedener transparenter Roboterschnittstellen für das 3D-Gangtraining, die nun bahnbrechende Forschungen zur Genesung nach einer Rückenmarksverletzung ermöglichen. Von 2011 bis 2012 war sie Assistenzprofessorin an der Khalifa University in Abu Dhabi und kam 2012 in derselben Funktion an die TU Delft.


Mittlerweile arbeitet sie als ordentliche Professorin an der TU Delft an minimalistischen und unkonventionellen Konzepten zur Unterstützung des menschlichen Gangs und Gleichgewichts. Seit November 2019 hat sie außerdem eine Honorarprofessur an der Abteilung für Rehabilitationsmedizin am Erasmus MC in Rotterdam inne.
Heike Vallery publiziert in angesehenen wissenschaftlichen Zeitschriften wie Science Robotics und Natur Medicine, hat 15 Patentanmeldungen eingereicht und verschiedene Stipendien und Auszeichnungen erhalten, darunter den 1. Preis des euRobotics Technology Transfer Award 2014 und ein Vidi-Stipendium 2016 von der Netherlands Organization for Scientific Research. Während der Covid-19-Pandemie war Vallery auch Co-Leiterin von „project inspiration“ an der TU Delft. Diese Initiative bringt Beatmungstechnologie in einkommensschwache Länder, indem lokale Unternehmen in die Lage versetzt werden, die Technologie selbst herzustellen. Vallery schafft es also, in ihrem Forschungsfeld hochrangige wissenschaftliche Publikationen aus grundlegenden Forschungserkenntnissen und gleichermaßen Technologietransfer zu leisten, was schließlich zu erfolgreichen Produkten führt.


„Professorin Vallerys Forschung wird von ihrer Vision angetrieben, motorisch eingeschränkte Menschen zu stärken. Um diese Vision zu verwirklichen, ist eine Technologie erforderlich, die kooperativ mit dem Benutzer interagiert, unter allen Bedingungen sicher und einfach zu verwenden ist – sowohl für medizinisches Personal als auch für Patientinnen und Patienten – und einen hohen funktionellen Nutzen bereitstellt. Vallery hat wichtige Forschungsbeiträge zu allen vier Anforderungen geleistet, mit spürbarer Wirkung. Wir freuen uns, dass sie diese Forschung an der RWTH weiterführt. Mit ihrem Ansatz an der Schnittstelle zwischen Maschinenbau und Medizin passt sie hervorragend an die RWTH und zu unserem Verständnis, dass sich globale Herausforderungen nur im Zusammenspiel der Disziplinen lösen lassen“, erklärt der Rektor der RWTH Aachen, Professor Ulrich Rüdiger.


Nach Matthias Wessling (2010, Chemische Verfahrenstechnik), David DiVincenzo (2011, Quantenphysik, gemeinsam mit dem Forschungszentrum Jülich), Raul Fidel Tempone (2018, Angewandte Mathematik), Wil van der Aalst (2018, Informatik) und Holger Hoos (2022, Maschinelles Lernen) kann Heike Vallery die nächste Alexander von Humboldt-Professur an der RWTH Aachen nun einnehmen.